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di fabio neu

Es ist ein kaum vorstellbarer Albtraum: Ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug droht auf die mit über 70 000 Menschen gefüllte Allianz-Arena in München zu stürzen. Erinnerungen an den 11. September 2001 werden wach. Ein das Flugzeug begleitender Kampfpilot könnte das Attentat verhin- dern, wenn er es befehlswidrig abschösse, also das Leben einiger weniger Unschuldiger opfern würde, um das der großen Mehrheit im Stadion zu retten. Darf er das? Was soll er tun?

di fabio 2 neuDas ist die spannende Ausgangslage in Ferdinand von Schirachs Drama „Terror“, an dessen Ende schließlich das Publikum aufgefordert wird, darüber abzustimmen, ob der handelnde Pilot schuldig oder unschuldig ist.

Mehrere Philosophie- und Sozialwissenschaftskurse von Frau Dehne-Haas, Frau Roland und Herrn Schwake haben sich mit diesem grundsätzlichen Dilemma im Unterricht ausein- andergesetzt und nutzten jüngst die Gelegenheit, den bekannten Bonner Jura-Professor und ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio dazu zu befragen. Für ihn wäre der Fall klar gewesen. Das im Jahre 2006 vom Bundestag verabschiedete Luftsicherheitsgesetz wäre verfassungswidrig und unethisch gewesen, „weil es um konkrete Menschen geht. Die sind immer Subjekt.“ Dem Mensch werde seine vom Grundgesetz garantierte personale Würde dadurch genommen, dass er zum Objekt gemacht, also „verzweckt“ werde. Auch Abiturient Marcus Meding äußerte sich kritisch zum Abschuss, „weil immer eine Chance besteht, dass die Passagiere die Situation selbst regeln.“ Anders Elena Mäß (Q2), die davon ausging, „dass diese Menschen im Flugzeug mit großer Sicherheit ohnehin sterben.“ Daher sollten zumindest die Menschen im Stadion gerettet werden. Nach gut einer Stunde intensiver Diskussion verabschiedete unser Schulleiter Herr Schlag den prominenten Gast unter warmem Applaus.